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Dienstag, 15. April 2014

The Rolling Stones feat. Der Mann im Mond - Paint it red.


Die Wolken schieben sich langsam über den Himmel und während der Wind die Baumwipfel in den Schlaf wiegt, gibt ein Loch in der Wolkendecke plötzlich einen blutroten Mond frei..
Unvorbereitet gestern abend darauf gestoßen worden, dass eine totale Mondfinsternis ansteht.



Dank gefühlten 3 Mio. Lichtquellen gestaltet sich die Fotografie schwierig und scharf stellen ist Nachts eine besondere Freude. Umso schöner, wenn dann doch ein, zwei gute Fotos bei raus kommen.




Natürlich nichts gegen die Profis von Reuters.

Nächstes Mal (Nacht vom 8. auf den 9. Oktober 2014) wird mit mehr Vorbereitung ein besserer Ort (auf-)gesucht.

Samstag, 1. März 2014

Open mic

Mittwoch endete ein kurzes Feierabendbier mit Billard im Koerner's Pub erst Nachts um 3:30.
Der Vorsatz für Donnerstag war also ein wenig früher ins Bett zu kommen.

Abendplanung: Offene Bühne im Café Deux Soleils ca. 40 Busminuten vom Campus entfernt. 
Glorias Schwester mitsamt Freund sind diese Woche zu Besuch, Anne und Louise sowie Joakim, Jonathan und weitere Schweden bilden an unserem Tisch dann den Endstand von 4 Deutschen, 5 Schweden und 2 Däninnen. Man beachte auch hier wieder, die für Vancouver Vintagekneipen üblichen Marmeladengläser anstatt von Bierkrügen.


Kanadier? Fehlanzeige.

Na gut. Im Café befinden sich eventuell auch ein paar Kanadier. Allerdings niemand, den wir kennen.

Das Café bietet eine größere Auswahl vegetarischer und veganer Speisen (50 % Burger, so wie es sich hier gehört) sowie ca. 10 Sorten Bier vom Fass. Es werden dann (über den Abend verteilt) Pitcher vom Russel Pale Ale, über Storm I.P.A. und Black Plague zum R+B Red Devil verkostet.

Quelle: http://cafedeuxsoleils.com/menu/#drinks

Potentielle Teilnehmer für die offene Bühne dürfen ihre Namen ab 19:00 in die Lostrommel werfen. Gegen 21:00 werden dann 15 Namen gezogen, die je 2 Werke (Songs, Poesie, etc.) vortragen dürfen - und ja, es sind deutlich mehr als 15 Namen im Krug.
An dritter Stelle wird auch Joakim gezogen, der hier ist, obwohl er am nächsten Morgen 2 Prüfungen hat.
Abgesehen von 2 kurzen Gedichten wird hauptsächlich Musik gemacht und dass auf einem wirklich guten Niveau. So gut, dass eine Frau, die draußen mit Köpfhörern im Ohr vorbei läuft, plötzlich stehen bleibt, die Stöpsel aus dem Ohr nimmt und durchs Schaufenster starrt.


Sonntag, 16. Februar 2014

Zakk Wylde

Zakk Wylde ist Gitarrist und Leadsänger von Black Label Society, hat bei Black Sabbath gespielt und tritt seit einiger Zeit auch Solo auf. Nebenbei bemerkt einer der großartigsten Gitarristen dieser Zeit.

Zwischen Weihnachten und Neujahr tippte ich bei Google "Rock concerts Vancouver" ein und fand heraus, dass eben dieser Mensch zur Zeit auf Kanadatour ist und am 13.02. im Commodore Ballroom in Vancouver auftritt. 
Der Ballroom befindet sich im ersten Stock eines älteren Gebäudes auf der Granville St in Downtown Vancouver. Wir erinnern uns an Silvester. Die einzige Straße auf der hier etwas passiert. 
Der Main Floor bietet 3 Bars, an jeder Wand die nicht die Bühne ist eine, Seitlich einige feste Sitzplätze und in der Mitte variable Bestuhlung oder Stehplätze. Zusätzlich eine vierte Bar mit Lounge für 40 Personen als Maisonette am Ende des Raumes. Alles rustikal und gemütlich eingerichtet.
Das Ticket kostete $ 46, in Berlin wären es wohl eher 46 € geworden.

Einlass ist 20:00, also steige ich 19:23 aus dem Bus aus, der direkt vor der Tür hält, und reihe mich in die Warteschlange von zu diesem Zeitpunkt ca. 30 Leuten ein.  In der Schlange sind etwa alle Altersgruppen von 20 bis 60 vertreten mit einem arithmetischen Mittel bei 40. Direkt hinter mir stehen zwei Pärchen Mitte 30. Die beiden Typen sind wohl irgendwie schon länger Metalfans, allerdings sehr mit sich und dem Versuch beschäftigt ihre beiden iPhones und das iPad, welches einer dabei hat, zeitgleich zum Abspielen eines Songs zu bewegen. Die Idee sich einzustimmen ist nicht schlecht. Die Umsetzung könnte besser sein. Auf voller Lautstärke und dann auch noch von irgendeiner Youtubeaufnahme erkennt man kaum, was abgespielt werden soll. Immerhin finden sie heraus, dass das neuere iPhone das Video in besserer Qualität abspielt. Vielleicht liegt es aber nur am Provider?...
Auf jeden Fall erklären mir ihre Freundinnen, dass diese eigentlich nur HipHop / Rap hören, aber für ihre Freunde eben auch zu sowas mitkommen. Auf die Frage, ob das denn andersrum auch funktioniert, wird schnell das Thema gewechselt..

Während wir so warten, windet sich die Schlange inzwischen einmal fast um den Häuserblock und wir werden mehrfach von einigen der etlichen Obdachlosen auf der Straße nach Kleingeld gefragt. Direkt neben dem Ballroom sitzen einige jüngere Punks mit einem kleinen Welpen und zwei Okulelen, die sich die ganzen Freaks, die da viel Geld für Musik ausgeben, interessiert anschauen. 
Einer spielt mit einer leeren Plastikflasche mit dem jungen Hund, der immer ausgelassener zu toben anfängt. Von links betritt ein älterer Obdachloser die Szenerie, während eine etwas benommene Taube von rechts auf die Punks zutaumelt.
Der Hund rastet ein bisschen auf der Plastikflasche aus. Bringt sie dann zurück zu seinem Herrchen.
Flasche fliegt, Hund rennt. Das Ganze wiederholt sich ein paarmal.
Währenddessen hat der Ältere die Bühne überquert und hebt die Taube auf.
Der Hund soll sich zu seinem Herrchen setzen ist aber noch sehr aufgeregt und schaut umher, was er denn nun machen könnte.
Mann mit Taube macht sich auf den Rückweg, wobei die Taube plötzlich zu realisieren scheint, wo sie sich befindet und hysterisch wegzufliegen versucht.
Da der Ältere versucht sie festzuhalten, kommt sie nicht richtig in die Luft.
Sie flattert gerade so über die Punks hinweg und landet in der Ecke hinter dem Hund.
Hund folgt seinem Instinkt und springt auf die noch immer verwirrte Taube zu. 
Der Ältere springt ebenfalls und herrscht den jungen Punk an, seine Töle zurückzuziehen.
Das folgende Geschehen lässt sich vom Publikum nur erahnen, da es sich hinter den schützenden Rücken der anderen Punks abspielt. Wieder einmal verhindert der schwarze Block hier die lückenlose Aufklärung ;)
Der Alte taucht wieder auf und verlässt mit einer erschlafften aber ansonsten unversehrt aussehenden Taube in der Hand die Bühne. Man mag nur vermuten, ob diese sich den Weg zum Oscar erspielt und sich tot stellt, oder ob sie die Ereignisse zum Herzkasper geführt haben.
Das Publikum ist sich auch unsicher. Keiner klatscht. Hunderte Gesichter wenden sich wieder ihrem Facebookstatus zu. iPhone, iPhone und iPad sind immernoch nicht synchron.

Schreibt man iPhone am Satzanfang eigentlich IPhone?

Ein afroamerikanischer Mitarbeiter der Security mit Dreadlocks bis zum Arsch kontrolliert schon in der Schlangemal die Ausweise (Eintritt unter 19 Jahren ist verboten) und Tickets und weist darauf hin, dass man drinnen nicht rauchen darf.
Beim Einlass werden nochmal die Tickets kontrolliert, allerdings gibt es keine weitere Alterskontrolle und kein Abtasten. Was hätte ich nur alles mitgebracht, wenn ich das gewusst hätte. Nichts.

Drinnen: Die Jacke an der Garderobe für $ 3 abgegeben, ein Canadian Ale an der Bar gezapft (nur $ 5.70, kein Becherpfand) und dann das: Vor der Bühne sind mit großen Abständen Campingstühle aufgestellt. Was für ein Konzert stellen sich die Veranstalter vor? Naja, wird sich schon ändern, wenn die Show losgeht.
Schnell noch einen Sitzplatz mittig in der sechsten Reihe gesichert. Die Bühne ist mit einigen BLS-Flaggen, einem Piano und zwei Gitarren bestückt.
Meine Sitznachbarn sind aus Vancouver bzw. der Vancouver Area, einer etwas älter als ich und der andere grade so über die Einlassgrenze. Letzterer erklärt mir, dass die Kanadier generell sehr pünktlich (+- 5 Minuten!) sind, was ihre Konzertplanung angeht. Es ist 20:20, laut Ticket beginnt die Show um 21:00, also noch genügend Wartezeit. Ich bezweifle jedoch, dass dieser Künstler sich von Zeitplanung drängen lässt.
So langsam füllt sich der Saal, die zwei Meter zwischen erster Sitzreihe und Absperrung (!) vor der Bühne sowie der Mittelgang bleiben jedoch frei. Sehr komisch.
21:20 (ich hatte recht :D ) - Die beiden Leinwände seitlich der Bühne werden eingerollt und die Rollläden verdunkeln die Fenster zu beiden Seiten. Alle stehen auf, lange wird der Sitzplan nicht mehr halten. Dann ertönt der erste Ton...

..der kanadischen Nationalhymne. Alle stimmen mit ein und danach betreten zwei Männer die Bühne. Der eine Zakk Wylde. Der andere. Vielleicht 17? Wer ist dieser Junge?
Google sagt mir später, es handelt sich um Dario Lorina einen aufstrebenden Gitarristen, der jetzt gerade 24 sein dürfte und seit Januar Black Label Societys neuer Rhytmusgitarrist ist. Sachen gibts.
Gut ist er auf jeden Fall, wenn auch noch etwas aufgeregt, so wie es scheint.

Die Beiden steigen mit The Blessed Hellride ein, alle stehen sowieso und ich sehe fast nix mehr, weil ich in ein Meer von Handys und Tablet schaue. Kurz regt sich Ärger, dann denke ich an diesen Comic.

Quelle: http://imgs.xkcd.com/comics/photos.png
Der Vorteil ist, dass ich jetzt einfach diesen Link einfügen kann und ihr dann alle geposteten Videos der anderen findet, während ich das Konzert genießen konnte.

Sie spielen sich durch einige bekannte BLS Songs, Dario spielt ab und zu auf einem Zwölfsaiter und Zakk wechselt für einige Coversongs (darunter Heart Of Gold und Ain't No Sunshine), sowie In This River, das Tribute an den ermordeten Gitarristen von Pantera Dimebag Darrell, ans Piano. Neben I Thank You Child, den er für seine Tochter Hayley geschrieben hat (Wer das Video bis zum Ende durchält wird mit einer Direktheit belohnt, wie sie nur von Kindern kommt), folgen noch einige weitere Songs und unglaubliche Soli von mehreren Minuten länge. Das Konzert endet mit Stillborn, der in der Akustikversion einfach genial ist.

Die Security hält Zwischengang und vor der Bühne eisern frei (Das mit nur 3 Leuten! Einer davon misst allerdings ungefähr 3 x 2 m hat lange Haare und wirkt, als ob er lieber dem Konzert folgen würde) und schickt die, ca. alle 20 Sekunden nach vorne laufenden Fans jeweils freundlich wieder nach hinten. Der Ablauf ist meist so:

Fan kommt nach vorne.
Sieht sich plötzlich einem Muskelberg gegenüber, findet dessen Gesicht und beugt sich vor, um zu verstehen was dieses sagt.
"Du kannst nicht nach vorne, wir müssen die Fluchtwege frei halten."
"Oh, ok. Kann ich schnell ein Foto machen?" Zeigt auf sein Handy.
"Ja, aber nur eins und nur von hier. Nicht weiter vor."
"Ok"
Fan fotografiert und ab.

Kurz vor Schluss kommt dann doch mal einer, der etwas Abwechslung bringt.
Gleicher Anfang.
"Du kannst nicht nach vorne"
"What the fuck man?"
"Ich kann dich nicht nach vorne lassen, wir müssen die Fluchtwege frei halten"
"Seriously?! What the Fuck!?"
Das Ganze geht noch ca. 2 mal so hin und her.
Der Fan versucht sich vorbeizuschieben und wird kurzerhand hochgehoben und nach hinten getragen. 
Mein Stehnachbar nutzt die Gelegenheit um kurz für ein Foto ganz nach vorne zu huschen.

Etwas irritierend war dann noch ein Technot (nur eine Vermutung. Keine Haare, Basecap, hautenge Jeans und T-Shirt) in der ersten Reihe. Dieser ging zu jedem Song mit bis zu den Zeigefingern ausgestreckten Armen und auf und ab springend total ab. Völlig egal wie schnell der Beat gerade war und welche Stimmung der Song verbreitet. Welche Droge war das? Kann mir jemand weiterhelfen?

Alles in Allem ein sehr cooles Konzert. Spielzeit ohne Pause: 2:20. Respekt.

Die Masse strömt nach draußen, direkt vor dem Eingang parkt ein Ford Pickup mit Grillanhänger der Hot Dogs verkauft, während neben dem Ballroom ein sehr betrunkener Mittvierziger Gitarre spielt. Er kennt ungefähr 3 Akkorde und zwei Schlagrhythmen, die er jedem Passanten entgegenschmettert und diese dann wüst beleidigt, wenn er kein Geld in seinen Hut bekommt. 
Einmal entgeht er nur dank einer Freundin, die ihren ebenso betrunkenen Skinheadfreund weiterzieht, einer größeren Prügelei.