Südwestliches British Columbia. Im Fraser Valley nördlich von Vancouver zwischen Squamish und Whistler erstreckt sich auf knapp 2000 km² der Garibaldi Provincial Park.
Etwa auf halber Strecke liegt der Garibaldi Lake. Ein Gletschersee von ca. 10 km² Fläche der auf 1500 m Höhe über dem Meeresspiegel von den beiden, den Garibaldi Mountain flankierenden, Gletschern Sphinx und Sentinel Glacier gespeist wird. Der See ist umgeben von mehreren Bergkuppen, die besonders auf der Ostseite vulkanischen Ursprungs sind.
Weitere 819 m über dem See befindet sich die Spitze des Black Tusk, ein weiterer Vulkan im Ruhestand und eine der herausstechendsten Landmarken der Region.
Der gesamte Park ist durchzogen von Wanderwegen und etlichen ebenso interessanten Ausflugszielen. Es gibt mehrere Campingplätze, da es sich durchaus lohnt ein Basislager aufzuschlagen und von dort weitere Trails zu erkunden.
Für die geplante
Zweitagestour wird ausreichend Trockenproviant beim lokalen Globetrotterabklatsch MEC (von Studenten gegründet und 1 % des Umsatzes gehen in den Erhalt der kanadischen Nationalparks) gekauft und ausgerüstet mit Schlafsack, Isomatte, Zelt und Sonnenbrille geht es los.
Geplant ist, die 29 km (hin und zurück) lange Strecke mit ca. 1800 m Höhenunterschied, die manch verrückter Mensch hier in einem Tag läuft, auf zwei Tage aufzuteilen und auf dem kleineren Zeltplatz direkt am Garibaldi Lake zu campen. Dazu füllt man am Parkplatz ein Zettelchen aus und schmeißt es mit $ 20 in den Briefkasten, um sich der Campinggebühren zu entledigen, lässt alle Fächer im Auto offen, damit mutmaßliche Diebe von außen sehen können, dass es nichts zu holen gibt und wandert los. (Nur so nebenbei: Das Foto auf
Wikipedia mit der Unterschrift "Teil des Weges von Garibaldi zum Black Tusk" ist nicht falsch. Aber sehr irreführend ;) )
Die Trailmarker sind überall zu finden und auf einem beliebten Weg wie diesem auch nicht zwingend nötig. Der Pfad ist breit ausgebaut und gut erhalten. Dennoch interessant zu sehen, wie manch ein Marker befestigt wurde und langsam von der Vegetation vereinnahmt wird.
Mit dem passenden Equipment..
..vorbei an Bächen und kleineren Wasserfällen..
findet man sich plötzlich in Mittelerde wieder.
In den Pausen gibt es schon mal ein Fotoduell..
..oder man bekommt Besuch von verschiedenen Waldbewohnern.
Dann erreicht man plötzlich das 1 km Schild und macht sich doch erste Sorgen, ob man die 9 km bis zum See doch unterschätzt hat. Die ersten 6 km geht es stetig über etwa 28 Serpentinen von 580 m bis 1360 m bergauf. Die restlichen 120 Höhenmeter erstrecken sich dann über die nächsten 3 km und erlauben etwas Erholung.
Der größte Teil der Strecke befindet sich im Schutz der Bäume, sodass es trotz des warmen Wetters nicht zu unangenehm wird. Man begegnet immer wieder anderen Wandergruppen aller Altersgruppen und ist stolz, wenn man mal nicht überholt wird.
Am ersten Plateau nach den erwähnten 6 km wird zusammen mit einem weiteren Eichhörnchen Pause gemacht und die südlichere Route entlang Barrier sowie Lesser Garibaldi Lake zum Garibaldi Lake eingeschlagen. Dabei passiert man auch The Barrier, den großen Damm aus erstarrter Lava, der den Garibaldi Lake erst aufgestaut hat. Hier gibt es immer wieder größere Steinschläge und das ganze Gebiet scheint in Bewegung zu sein. Dennoch ein sehr schöner Aussichtsspunkt.
Schließlich geht es weiter über Stock und Stein. Wobei der Barrier Lake noch sehr nach Algenwachstum aussieht..
..verspricht der Lesser Garibaldi Lake doch schon einiges.
Dieser wird wieder von einem kleinen Wasserlauf gespeist, wo man prima Pause machen kann.
Dann geht es zum Seeufer hinunter und man bekommt so langsam die Weite dieses Sees zu spüren.
Wir haben uns genügend Zeit gelassen und kommen nach fast einer Tageswanderung am See an, um einen der letzten Zeltplätze zu erwischen. Aufschlagen darf man sein Zelt nämlich nur auf den dafür vorgesehenen Holzplanken. Dies soll den Park vor all zu großer Veränderung durch den Menschen schützen und hält das Zelt auch von unten einigermaßen sauber. Leider schafft es auch prima Platz für den Wind, wodurch das Nachtlager auch von unten gekühlt wird.
Im letzten Licht des Tages wird die Gegend noch etwas erkundet und dann in einem der Shelter zu abend gegessen. Das Essen bleibt wegen möglicher Bärenbesuche dort und nicht im Zelt.
Neben Battleship Islands sieht man auch von hier schon..
..weit über den Baumwipfeln das eigentliche Ziel warten. Die markante, namensgebende Form des Black Tusk.
Nach einer wie bereits angedeuteten sehr kalten Nacht - das Wasser ist Gletscherwarm, es war sowohl Tag als auch Nacht klarster Himmel und der Zeltplatz schon einige Stunden im Schatten - wird nach einem Frühstück ohne Tee und Kaffee nochmals fotografiert und dann der Aufstieg angetreten.
Nochmals über die Brücke ein Stückchen zurück zur letzten Weggabelung.
Vor allem weiter bergauf.
Hier ist dann das kurze Stück Ebene, was auch im Wiki-Artikel gezeigt wird.
Immer wieder blitzt der zu erklimmende Gipfel durch die Bäume.
Jede erreichte Landmarke wird gefeiert. Ein weiteres Stück geschafft. Ab hier geht es wieder bergauf...
Zwischendurch ein Ausblick aus der Comicserie Heidi.
Natürlich mit entsprechenden Pausen..
..sowie Rückblicken auf den Campingplatz..
..geht es über den unwirtlicher werdenden Weg..
..stets bergauf.
Immer beeindruckendere Augen- und Ausblicke, lassen einen plötzlich..
..vor diesen beiden Schildern stehen.
Dann guckt man nach oben und da ist er. Der Black Tusk. Wer genau hinschaut, kann auf diesem Foto auch Wanderer auf dem Weg ganz auf die Spitze entdecken. Dies wurde hier jedoch aus Zeit- und Sicherheitsgründen unterlassen. Man muss ja noch den ganzen Weg zurück und bis um 19:00 Uhr Sebastian seinen Schlafsack zurückbringen.
Also abwärts.
Dabei wird nun der andere Arm des zu Anfang verlinkten Wanderweges gewählt, der eine längere Strecke durch die flacheren Taylor Meadows führt und andere Motive bietet.
Nach einem weiteren Abschiedspanorama geht's wieder ein Stück den selben Weg entlang und dann weiter in die Felder.
Inzwischen ist auch die Fauna wieder auf den Beinen.
Bevor es auf den endgültigen Abstieg geht, gibt es noch einen Blick zurück und dann verschlingt uns der Wald.
Dank Verkehr und Mißverständnissen schaffen wir es gerade noch rechtzeitig zu Sebastian und sind dann sehr froh mal einen Abend nichts zu tun. Leider ist der Whirlpool im Apartmenthaus schon abgeschlossen als wir endlich da sind. Dennoch: Unglaublich schön war's gewesen!