Nachdem ich in den letzten Tagen vor allem gefaulenzt, Theorie gewälzt und das erste Paket mit Keksen aus Deutschland entgegen genommen habe (Der Postweg funktioniert in beide Richtungen - Juhuu!), stand heute etwas Bewegung auf dem Plan.
Es gab ja noch Weihnachtsgeschenke, die mir - zweckgebunden - überwiesen wurden. Hatte vor zum Kamerafachgeschäft Lens & Shutter um die Ecke zu gehen, da hier auch am Sonntag fast alle Läden ganztägig offen haben und ich dachte, es wäre bestimmt besser soetwas nicht im Kaufhaus zu kaufen. Ein Vorabanruf brachte jedoch zu Tage, dass das gewünschte Objektiv nicht auf Lager und in der nächsten Woche auch nicht zu erwarten wäre.
Verdammt.
Ich wollte doch unbedingt noch zum Festival of Lights im
VanDusen Botanical Garden (bis 4. Januar) damit fotografieren. Also eben doch die netten Herren von Future Shop besucht. Hier kann man alles kaufen, was irgendwo einen Stecker oder annähernd mit einem entsprechenden Gerät zu tun hat. Und man kann online reservieren bevor man hingeht. Umgeht damit auch gleich die Schlange an der Kasse, weil das komischerweise kaum jemand macht und es eine Extrakasse dafür gibt. Schnell wieder nach Hause und auspacken. Achja, UV-Filter natürlich auch dabei.
Damit habe ich nun also endlich auch das Privileg mehrere Objektive mit mir rumzutragen und doch nur eines zu benutzen!
Neues Objektiv (Nikon 35 mm/f1.8) mit dem alten 28-200mm Tamron geknipst und umgekehrt.
Das viel größere Zoomobjektiv passt sogar gerade noch in die schmucke Tasche vom Neuen.
Auf dem Rückweg sehe ich wieder eine Truppe von 3 Männern, die mit einem alten Mercedes (W 123) durch die Gassen ziehen und die Pfandflaschen einsammeln, die die Leute hier für die Obdachlosen nach draußen stellen. Laut Bonnie bringt hier niemand das Pfand zurück. Alles wird hinters Haus gestellt.
Hat es am Vormittag noch geregnet, klart es gegen 15:00 Uhr auf und meinem Vorhaben scheint nichts mehr im Weg zu stehen. Stativ und Kamera im Rucksack laufe ich ein paar Blocks bis zum 99er Bus, fahre quer durch die Stadt, steige in den 017er und dann immer die Oak Street nach Süden. Die Haltestellen heißen jetzt eine Viertelstunde lang immer nur "Oak Street at W 4th", ".. W 6th", "..W 22nd", "..W 37th" Oh, ich muss raus.
Leider so wie der Rest des Busses.
Es ist 16:25 und um 16:30 wird das Festival of Lights jeden Abend eröffnet. Ist halt doch anders als in Berlin und soll es ja auch sein. ABER, müssen das so viele Leute sein? Da das Festival auf den einen Ort konzentriert ist, drängen sich alle Formen und Farben von Leuchten, Lampen und Lichtern aneinander bzw. es kommt einem vor wie eine einzige Installation. Oder etwas amerikanisch übertrieben.
Ich zähle ca. 10 weitere Leute mit Kameras, hunderte Handykameras und war fast versucht absichtlich in Leute hereinzulaufen, die gerade mit ihrem iPad versuchen ein Foto im Dunkeln zu machen. Für Jogger ist hier drin übrigens gerade kein Platz.
Punkt 16:30 startet die (sich leider jede halbe Stunde identisch wiederholende) Vorführung der "Singing Lights". Sprich das gesamte Gelände wird mit lieblicher Weihnachtsmusik wie "You're such a mean one Mr. Grinch" beschallt und die Lichter auf einer Insel in der Mitte werden im Rhythmus dazu ein- und ausgeschaltet. Erstaunlicherweise bleibt fast der Gesamte Besucherstrom stehen, um sich das komplett anzuschauen.
Zeit für mich, ein paar Ecken zu finden, die noch nicht überlaufen sind. Und die gibt es tatsächlich. Nachdem ich direkt nach dem Einlass etwas enttäuscht war, finde ich doch noch ein paar schöne Motive und kann ein bisschen das neue Objektiv ausprobieren.
Etwas Abseits finden sich sogar ein paar ausgefallenere Formen.
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| Rechts im Bild: Besucher, die die singenden Lichter links außerhalb des Bildes bestaunen. |
Die Idee: Aus alten PET-Flaschen Blüten zu schneiden und in ein großes Tulpenbeet zu verwandeln. Sehr gelungen.
Was die hölzernen Tintenfische mit dem Tulpenbeet zu tun haben, ist mir unklar, aber vllt. gibt es da ja einen Zusammenhang.
Dank dem Regen am Vormittag gab es auch dieses Motiv zu finden.
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| Suchbild |
Nicht nur die singenden Lichter waren mit wechselnder Beleuchtung ausgestattet.
In der Gingerbread Road für Kinder hingen mitten zwischen den Lebkuchenmännern und -frauen vor einem der Häuser mehrere Diskokugeln. In Einer Ecke hatte es sich dagegen ein einsamer Lampion gemütlich gemacht und verschiedenste (sicherlich halluzinogene) Pilze gab es auch zu bestaunen.
Der völlig im Dunkeln gelassenen Wasserfall ließ sich mit voller Blende und 30 s Belichtungszeit doch noch ablichten.
Nach ca. drei (gefühlten 70) Wiederholungen der singenden Lichter, ging ich diese Alle entlang, vorbei am Schattenpuppentheater, wo inzwischen die meisten Kinder abgeladen worden waren, zum Hotdogstand. Für nur $ 5.00 bekam ich also eine Wurst im Brötchen ohne Ketchup und Zwiebeln, aber immerhin warm. :)
Während diesem Foto werde ich von einem asiatischen Pärchen angesprochen, ob ich die beiden vor dem großen Weihnachtsbaum fotografieren kann und bekomme so zum ersten Mal ein gefaktes iPhone in die Hand.
Hier also auch nochmal ein Bild besagten Weihnachtsbaums ohne das Pärchen.
Auf dem Rückweg versucht eine ältere, vermutlich Obdachlose Frau in den Bus zu steigen und bittet, ob sie ausnahmsweise ohne Ticket mitfahren kann. Weil Weihnachten war. Der ansonsten sehr freundliche Busfahrer fährt sie an, was ihr einfalle, die Geschichte würde sie ihm jetzt seit fünf Jahren erzählen und sowieso nie ein Ticket bezahlen. Ich fühle mich ein bisschen Zuhause, obwohl die Dame den Bus dann verlassen muss.
Ich glaube, das Festival of Lights in Berlin gefällt mir besser. Man muss nicht dafür bezahlen, es ist nicht so überlaufen und nicht so überfrachtet. Trotzdem gute Motive gefunden und es hat Spaß gemacht. Der Botanische Garten lohnt sich bei Tageslicht bestimmt mehr, da dann auch das gesamte Gelände zugänglich ist.
Morgen treffe ich mich mit Mathias zum Kaffee. Einer von meinen drei baldigen Mitbewohnern, von dem ich mal hören will, was ich dringend noch besorgen muss und wie deren Wohnungsorganisation so läuft. Ein weiterer Mitbewohner ist Eric, den ich dann wohl am 05. Januar kennen lernen werde. Mitbewohner No. 4, zieht wie ich neu ein und hat der Weitergabe seiner Kontaktdaten nicht zugestimmt.
So viel von hier. Viele Grüße und vielen Dank für die Geschenke!
NACHTRAG:
Deadman's Island heißt laut
Wikipedia so, weil es ursprünglich mal ein Friedhof der kanadischen Ureinwohner war.