Montag, 31. März 2014

Whitehorse IV - Nordlichter!

Sonntag tagsüber auf die nächsthöhere Ebene, wo sich auch der Flughafen befindet, gewandert.
Wie schon die beiden Tage zuvor: Keine Wolke am Himmel, die Sonne knallt. Hier kann man sich auch locker bei -20 °C einen Sonnenbrand holen.

Hat man die Klippen erstmal erklommen, steht man direkt vor dem Absperrzaun des Flughafens wo gerade im Minutentakt Cessnas landen.
Zwischendurch dann auch mal eine Turboprop-Maschine von Yukon Airlines. Der Hauptstadtflughafen besitzt genau eine Lande-/Startbahn.


Entlang des Zauns geht es weiter zum Ende des Rollfeldes und dann die Klippen entlang einmal halb um Downtown.



Die Pfeilspitze markiert meine Unterkunft

Rückweg über die weniger steilen und enteisten Treppen. Jemand hat ein Gedicht o.ä. an den Stufen angebracht, also nochmal hoch und die Zeilen mitschreiben. Es scheint allerdings möglich, dass einige Schilder schon fehlen.


She arrived on a boat / after the war / She constructed a world / in her mind / She said she always liked / a man in uniform / Dancing to Nat King Cole / She raised eyebrows with her / bleach blonde hair / She married a jealous man / and his mother / She knew better than / to ask for help / She was too smart / for her own good / She loved lemon crepes / but hated moths / She lived on





Abends ging es dann wieder los. Raus aus der Stadt zu den 4 Hütten der Northern Tales Veranstalter. 2 von 3 Chefs der Organisation sind übrigens ausgewanderte Deutsche und auch unter den Guides finden sich neben Japanern mehrere Deutsche.

Beide Tage verliefen ähnlich.
21:30 Treffen vor dem Best Wester Gold Rush Inn, Zusammenfinden von Gruppen und Guides. Einsteigen in die kleinen Busse (10-Personen) und ab zur entsprechenden Hütte. Am Samstag waren es so viele Leute, dass ein Klein- gegen einen Schulbus getauscht wurde.
Jap, so ein gelber.

Die Hütten liegen alle fußläufig beieinander und sind mit Gaskocher, Holzofen, Keksen, Tee, heißer Schokolade und Kaffee ausgestattet. Man nähert sich ja schon mit großen Schritten dem Sommer, deshalb ist es trotz untergegangener Sonne um 22:00 noch relativ hell dort draußen.


Es sind schon einige Sterne zu sehen, allerdings noch wenig im Vergleich zu später in der Nacht.

Wer kein Stativ besitzt kann eines von etlichen selbstgebauten Stativen aus der Hütte nehmen und die Zeit, bis die ersten Nordlichter zu sehen sind, wird von den Guides genutzt, um den Leuten ihre Kameras zu erklären. Es gibt auch mehrere Leute, die mit ihrer kleinen Point-and-Shoot Digicam dabei sind. Bei den meisten sind es glücklicherweise Geräte, die die entsprechenden Einstellungen zulassen. Am zweiten Tag ist leider jemand dabei, dessen Kamera keine ausreichend langen Belichtungszeiten zulässt, also legt er sich zwei Stunden in den Schnee und genießt einfach die Show.

Die Nordlichter.
Es gibt einige Faktoren, die die Polarlichter oder auch Aurora Borealis/Australis (je nach Nord- oder Südpol) beeinflussen. Dabei spielen das Magnetfeld der Erde, insbesondere die aktuelle Feldstärke, die Flussrichtung, sowie die Stärke der auf die Erde treffenden Sonnenstürme eine Rolle. Bei letzterem zählen sowohl Geschwindigkeit der ausgestoßenen Partikel als auch die Partikeldichte. Nahe den magnetischen Polen verläuft das Magnetfeld senkrecht zur Erde und ermöglicht so das Eindringen der Partikel in die oberen Schichten der Erdatmosphäre (Wikipedia hat hierzu ein nettes Bild) wo die Partikel mit Sauerstoff und Stickstoff kollidieren. Durch die Kollision wird Energie von den Parikeln (Elektronen oder Protonen) des Sonnenwindes auf die Atome in der Atmosphäre übertragen, wobei diese angeregt werden. Kehren die angeregten Atome in ihren Normalzustand zurück, erfolgt das unter Abgabe der überschüssigen Energie in Form von Licht.
Grün und Rot kommen dabei vom Sauerstoff, Violett und Blau vom Stickstoff.

Samstag gegen 23:00 und Sonntag etwas später zeigten sich die ersten Nordlichter in Form eines mit bloßem Auge kaum sichtbaren Bandes knapp über den nördlichen Baumwipfeln. Die Farben kann man erst auf dem Foto erkennen.



Mit fortschreitender Dunkelheit, sind die Nordlichter besser zu sehen. Verschwinden allerdings zwischendurch auch mal wieder komplett. Sind sowieso immer in Bewegung, mit wechselnder Intensität und vor allem atemberaubend.



Die schwache Aktivität erfordert hier noch Belichtungszeiten von 30 oder mehr Sekunden und Lichtempfindlichkeiten von ISO 1600 oder höher, was für relativ körnige Fotos und verschwommene Sterne sorgt.
Als die Aktivität zunimmt, fangen die Guides an Fotos von den Teilnehmern vor den Nordlichtern zu schießen, was durch lange Belichtung mit abschließendem Blitz geschieht.
Hat von einer der anderen Hütten den ganzen Abend über wütende "No FLASH!!!!"-Rufe zur Folge und ruiniert leider wirklich einige Fotos.
Dafür ist es eben eine solche Tour und keine eigene Expedition




Dabei kann man auch ohne Blitz im Bilde sein.


Sonntagnacht ist die Aktivität trotz späterem Beginn zwischenzeitlich sogar stärker als Samstag. Das führt in Verbindung mit dem zweiten, lichtstärkeren Objektiv, zu Belichtungszeiten von 13 Sekunden bei ISO 800.




Selbst ohne Nordlichter gibt es hier aber viel zu sehen.

Unser Bus vor der Hütte. Rechts das kleine Lagerfeuer, an dem man Marshmallows rösten konnte.

Groß, hell, gelb - Mars.

Groß, hell, nicht gelb - Jupiter

Ein Teil der Milchstraße
Gegen 02:00 geht es dann zurück in den Bus und zurück in die Stadt. Auch der etwas grummelige ("They'll better be there and good. We've come quite a long way to see them.") Australier, der mit seiner Frau gerade zu seinem 40. diese Reise macht, ist zufrieden.


Montagvormittag standen dann noch ein Spaziergang zum Staudamm, oder der Besuch eines der beiden städtischen Museen zur Auswahl, aber man kann es ja auch mal einen Tag ruhig angehen lassen. Stattdessen hat Lily ein Vorabfoto der Nordlichter ergattert. ;)

Zu 13:50 ein Taxi zum Flughafen bei "Grizzly Cabs" bestellt.
Um 14:02 erscheint ein "Premium Cabs"-Taxi mit quietschenden Bremsen und klapperndem Motor.
Ich will ja nur die kurze Strecke zum Flughafen.
Im Fahrzeug fällt der dezente Riss in der Frontscheibe auf. Vom linken zum rechten Außenspiegel mit einem kleinen Arm, der sich in der rechten Hälfte der Scheibe nach oben frisst.
Premium.

Bei der Gepäckaufgabe nach dem Gate gefragt, da auf der Boardkarte keines angegeben ist.
Es gibt nur eins. Nach Securitycheck, warten wir direkt am Gate auf das Flugzeug.


Dieses landet, die ankommenden Passagiere laufen zwischen uns hindurch, wir dürfen einsteigen und dann geht es über ein Meer von schneebedeckten Bergen zurück gen Vancouver.


American Hustle ist auch nicht mein Film. Also wieder Rock-Kanal.

2 Kommentare:

  1. diese fotos sind einfach nur krass! schon die sterne an sich sind total überwältigend und erst recht die nordlichter.... übrigens: wann legst du dir eigentlich einen WP-account zu? :)

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  2. Danke, ich kanns nur jedem empfehlen. Auch wenn man nicht fotografieren will.

    WP: Wenn ich mich dazu durchringe ernsthaft einen Artikel zu schreiben ;)
    Habe aber schon mehrfach überlegt.

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