Sonntag, 19. Januar 2014

Darf ich Ihnen meine Karate geben?

Aikido hat sich endgültig disqualifiziert, dafür war ich heute Mittag beim Nihon Goju Karate einer sehr ans Kung Fu angelehnten Form von Karate, was mir dann naturgemäß gefallen hat. Einiges wird anders gemacht, ist aber doch immer sehr ähnlich und vertraut. Jetzt nur noch die $ 220.00 bezahlen und dann ist jeden Donnerstag Abend und Sonntag Mittag Training.
Trainiert wird im selben Raum wie beim Aikido, nur dass wir ca. doppelt so viele Teilnehmer hatten. Es ist also etwas kuschelig. Der Trainer hat während der deutschen Besatzung mit seinen Eltern für drei Jahre in Soest gelebt, weil sein Vater beim kanadischen Militär war und macht einen sehr netten Eindruck. Eigentlich braucht man fürs Karate auch einen speziellen Trainingsanzug, den ich aber für ein einziges Semester nicht kaufen brauche.

Samstag wurde das angesetzte Wandern mal wieder abgesagt, aber irgendwann bekommen wir das auch noch hin. Dafür war ich mit ein paar Kollegen (Chinesen, Iraner und Kanadier) und Israa, Informatikerin aus London, in einem von einer asiatischen Familie geführten, französischen Teehaus, das von der Einrichtung sehr englisch wirkte. So viel zur multikulturellen Identität Vancouvers.
Abends bin ich dann noch alleine durch Gastown spaziert, um nicht gleich wieder am Schreibtisch zu versacken. Gastown wirkt etwas europäischer als der Rest der Stadt und bietet einige Ecken, die ich mir noch genauer anschauen muss. Beispielsweise die Steambrew Brauerei direkt am Ufer, in deren Restaurant/Bar man sich entweder gemütlich hinsetzen kann, oder nebenan im Direktverkauf allerlei gute Getränke für den Hausgebrauch bekommt. Es gibt viele kleine Geschäfte, eine Eis- und Schokoladenfabrik und alles wirkt durch die Klinkerbauten sehr urig. Das ganze Viertel ist mit älteren Straßenlaternen beleuchtet und an diesem Samstagabend unglaublich gut besucht. Taxi reiht sich an Taxi.
Da ich meine Kamera nicht dabei habe, gibt es nur kurze Eindrücke per Handycam. Beim Fotografieren der Steam Clock (die nicht mehr wirklich mit Dampf betrieben wird) halte ich unfreiwillig auch fest, wie ein junges Pärchen seine halbe Pizza bei einem an der Ecke schlafenden Obdachlosen abstellt.


Gastown ist am östlichen Ende von Downtown und grenzt weiter im Osten direkt an den berüchtigten Stadtteil East Hastings, von dem ich glaube ich schonmal erzählt habe. Auf meiner Busfahrt vom Cafe nach Gastown habe ich auf jeden Fall einiges gesehen, was eher an stark verarmte Vororte erinnert und nicht den direkten Nachbarbezirk der großen Shopping Malls. . .

Auf meinem Rückweg mittels Skytrain treffe ich am Bahnsteig noch auf einen kollabierenden jungen Chinesen, der scheinbar mit zu viel Alkohol seinen Abschluss gefeiert hat. Glücklicherweise sind schon mehrere Mitarbeiter der Verkehrsbetriebe vor Ort um zu helfen, auch wenn diese eher überfordert wirken. Die Ambulanz ist zum Glück nicht weit und so steige ich in den nächsten Geisterzug ein (an das Fahren ohne Fahrer, habe ich mich immernoch nicht ganz gewöhnt - zumindest nicht, wenn man ganz vorne steht und vorn aus der Bahn heraus gucken kann).

Morgen ist ein Elektrochemie-Seminar an der SFU (Simon Frazer University), der anderen großen Universität in Vancouver. Da diese aber am anderen Ende der Stadt ist, muss ich hier um 6:00 los, damit ich rechtzeitig um 9:00 den Seminarraum gefunden habe. Heißt auch, dass der Fotokurs dieses mal ausfällt.

Freitag ist das ungefähr monatliche Gruppenseminar, bei dem ich dann auch einen etwas ausführlicheren Vortrag über meine Masterarbeit halten darf. Bis dahin sollte ich sie also wieder verstanden haben ;)

Donnerstag früh, nach besagter Geburtstagsparty zeigten übrigens einige Überbleibsel auf dem Gehweg, dass man auch im Hause Lancelot (der arme Junge, was hat die Eltern nur geritten?) gut feiern kann.


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen