Mit Proviant und Kamera geht es los in Richtung Chief Mountain im Squamish-Gebiet, einem der Landstriche, die an die Ureinwohner zurückgegeben wurden. Chief Mountain liegt ca. 45 min Autofahrt nördlich von Vancouver und bietet drei Spitzen, die erklommen werden möchten. Also machen sich Arman, Amin und ich auf den Weg. Die Mülltonnen am Parkplatz sind alle mit Bärensicherung und man wird mit mehreren Schildern darauf hingewiesen seinen Müll zu entsorgen, die Eimer zu schließen und keinen Müll irgendwo liegen zu lassen. Glücklicherweise sollen wir heute aber keinem Bären begegnen. Um diese Zeit sind die Bären in höher gelegenen Gebieten.
Unser Ziel ist die zweite Spitze des Berges, die die erste Spitze überragt und durch ihre Position einen besseren Blick als die nur unwesentlich höhere dritte Spitze bietet. Es gilt von ca. 70 m Höhe auf ca. 670 m zu kommen.
Amin war hier schon mehrfach und mimt den Guide. Es geht direkt los, anfangs noch mit Holztreppen mit gefühlten 780 ° Steigung. Diese verabschieden sich aber schon kurz nachdem man an dem kleinen Wasserlauf vorbei auf etwas höhere Ebenen vorstößt. Auch hier alles i.O. man kraxelt irgendwie über Wurzeln und Steine die mehr oder weniger eine Treppe bilden. Frage mich, wieso ich eine Jacke dabei habe. Amin legt ein gutes Tempo vor und trägt als einziger von uns richtige Bergwanderschuhe. Arman kommt in seinem Tempo hinterher und ich wechsle immer zwischen Atemnot und Schweißausbrüchen und dem Versuch mit Amin Schritt zu halten. Die teilweise mehrere tausend Jahre alten Bäume um uns herum und die von Gletschern glatt geschliffenen Felsen sind wahnsinnig beeindruckend, aber ich komme kaum dazu die Kamera auszupacken.
Es gibt immer wieder tolle Felsformationen bzw Einschnitte in den Fels und die Bäume finden in der kleinsten Spalte einen Weg etliche Meter in den Himmel zu wachsen. So schlägt Papier also Stein.
Beim Photomerge haben die Bilder irgendwie verschiedene Farben bekommen, aber ihr seht, um was es geht.
Während wir mehr oder weniger mühsam eine Stufe nach der anderen erklimmen passieren uns doch tatsächlich zwei Jogger... Oder was auch immer die trainieren, wozu sie einen so steilen Pfad hochrennen müssen.
Und tatsächlich: Der Weg kann noch steiler werden. In die Felswand oder den Boden, je nachdem was greifbar ist, sind Stahlketten gebohrt worden, damit man sich an den schwierigeren Stellen irgendwo festhalten kann. Ich muss meine Jacke trotz des Schweißes wieder anziehen, weil ich beide Hände brauche.
Aus diesem Weg wurde dann...
...dieser. Und ja, direkt dahinter geht es steil hinab oder an einer kleinen Kette nach rechts etwas weniger Steil weiter.
Dass der Weg von Menschen gepflegt wird, merkt man wirklich nur noch an den Ketten und der, an einer zu steilen Stelle auftauchenden, Leiter. Kurz vorher musste man aber schon an der o.g. schmalen Stelle nur mit Hilfe der Kette und abstützen an den Schluchtwänden einen ca. mannsgroßen Felsbrocken überwinden.
Teilweise laufen wir wenige Meter am Abgrund entfernt. Aber es macht Spaß und wenn man sich für jeden Schritt die nötige Zeit nimmt, alle Griffe vor Belastung testet und sich gegenseitig Hinweise gibt, funktioniert es wunderbar. Oben angekommen entschädigt die Aussicht für die geschätzten 10 Liter Schweiß (2 für den Aufstieg und 8 zusätzlich an den steilsten Stellen).
Die kleinen Menschen da drüben sind auf Spitze 1 und die Bucht führt bis ins Meer. Man könnte auch mit dem Boot zurück nach Vancouver fahren.
Ja. Von da unten sind wir gekommen.
Auch hier, die Natur findet ihre Wege. Links im Bild, Arman.
Noch zwei missglückte Panoramen, aber man bekommt einen kleinen Eindruck.
Hätte ich vorher gewusst, was mich erwartet, hätte ich wahrscheinlich Zweifel gehabt, aber ich habe nichts bereut. Es hat Spaß gemacht und die Gegend ist einfach wunderschön.
Wir sind dann natürlich den gleichen Weg wieder runter, es gibt keinen anderen. Glitschige, steile Wege rückwärts runterhangeln ist auch eine Erfahrung.
Auf dem Weg nach unten sind wir immer mehr Leuten begegnet und haben unter anderem auch mehrfach Leute mit Hund und Kleinkindern gesehen, die es immerhin zur 1. Spitze schaffen wollten. Ich war beeindruckt, weiß aber nicht, ob all die Kinder (ab gerade Laufen gelernt) so glücklich mit dem Hobby ihrer Eltern waren (Ob die Eltern beim Tragen nach den ersten 20 min ebenfalls noch glücklich waren, wage ich auch nicht zu sagen). Alles in allem ein toller Tag und heute werde ich mit Sicherheit verdammt gut schlafen.
Falls ihr irgendwann die Gelegenheit bekommt so eine Tour zu machen. Nutzt sie.









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